Kühllastberechnung mit der Faustformel
Die Faustformel liefert in wenigen Minuten eine grobe Hausnummer für die Kühllast. Diese Seite zeigt, wie der Richtwert angewendet wird, welche Größenordnungen üblich sind und wo die Methode endet.
Die Idee hinter der Faustformel
Die Faustformel arbeitet mit einem flächenbezogenen Richtwert. Man nimmt einen Erfahrungswert in Watt je Quadratmeter und multipliziert ihn mit der Raumfläche. Das Ergebnis ist eine erste Größenordnung der Kühllast.
Der Reiz liegt in der Geschwindigkeit. Ohne Bauteilkatalog, ohne Klimadaten, ohne Tagesgang entsteht in wenigen Minuten eine Zahl. Für ein Gespräch mit dem Anlagenbauer oder für die Plausibilitätsprüfung eines Angebots ist das oft ausreichend.
Der Preis dafür ist die Ungenauigkeit. Der Richtwert weiß nichts über die Ausrichtung der Fenster, über den Sonnenschutz oder über die Zahl der Personen. Er ist ein Mittelwert über viele Räume, nicht das Ergebnis für Ihren Raum.
Richtwerte je Raumtyp
Die folgenden Größenordnungen dienen der Orientierung. Sie ersetzen keine Berechnung nach VDI 2078, helfen aber, ein Ergebnis einzuordnen.
| Raumtyp | Richtwert je m² | Anmerkung |
|---|---|---|
| Büro normal | rund 50 bis 90 W | abhängig von Verglasung und Belegung |
| Büro stark verglast | rund 90 bis 140 W | Südwestlage ohne Außenschutz |
| Verkaufsraum | rund 70 bis 130 W | Beleuchtung treibt den Wert |
| Besprechungsraum | rund 100 bis 160 W | hohe Personendichte |
Auffällig ist die große Spanne schon innerhalb eines Raumtyps. Genau diese Spanne zeigt, warum der Richtwert nur ein Einstieg ist. Für einen Serverraum versagt die flächenbezogene Faustformel ganz, weil dort die IT Leistung die Last bestimmt.
Eine überschlägige Rechnung
Ein Rechenbeispiel macht die Methode greifbar. Betrachtet wird ein Büro mit moderater Verglasung.
Praxisbeispiel
Büro mit 30 Quadratmetern
Für ein Büro von 30 Quadratmetern mit zwei Arbeitsplätzen und Ostfenstern wird ein Richtwert von 70 Watt je Quadratmeter angesetzt. Die überschlägige Kühllast beträgt damit rund 2100 Watt.
Dieser Wert genügt, um die Größenordnung eines Splitgeräts zu prüfen. Ob am Ende 2,0 oder 2,5 Kilowatt nötig sind, klärt erst eine genauere Berechnung. Die Faustformel sagt nur, dass es nicht 1,0 und nicht 5,0 Kilowatt sind.
Wie dieselbe Aufgabe mit dem normgerechten Rechenweg aussieht, zeigt das ausführliche Rechenbeispiel.
Wo die Faustformel endet
Die Faustformel ist ein Werkzeug für das Augenmaß. Sobald es um die Bestellung eines Geräts oder um einen Nachweis geht, reicht sie nicht mehr.
Keine Ausrichtung
Süd und Nordfenster werden gleich behandelt, obwohl sie sich stark unterscheiden.
Kein Sonnenschutz
Die Wirkung einer Verschattung bleibt unberücksichtigt.
Keine Speichermasse
Ob leicht oder massiv gebaut, spielt im Richtwert keine Rolle.
Keine Personenzahl
Ein leeres und ein volles Büro ergeben denselben Wert.
Ein häufiger Trugschluss
Ein hoher Richtwert wirkt sicher. Tatsächlich führt er oft zu einer überdimensionierten Anlage, die in Teillast schlecht regelt und mehr Strom verbraucht als nötig.
Faustformel in Excel
Die Faustformel lässt sich mühelos in einer Tabelle abbilden. Eine Spalte für die Fläche, eine für den Richtwert, eine für das Produkt, fertig. Genau das bieten viele kostenlose Vorlagen an.
Der Komfort darf nicht über die Aussagekraft hinwegtäuschen. Eine Excel Vorlage mit reiner Faustformel bleibt eine Faustformel. Erst eine Tabelle, die Bauteile, g Werte und innere Lasten abfragt, nähert sich einer echten Berechnung.
Wer im Browser rechnen will, findet auf der Seite zum Online Rechner eine Einordnung der verfügbaren Werkzeuge.
Wann der Richtwert genügt
Die Faustformel hat ihren festen Platz, solange man ihre Rolle kennt.
- Erste Orientierung in einer frühen Planungsphase.
- Plausibilitätsprüfung eines vorliegenden Angebots.
- Schnelle Größenordnung für eine Besprechung.
- Grobe Budgetabschätzung vor der eigentlichen Planung.
Sobald ein Gerät bestellt, ein Nachweis erbracht oder eine Förderung beantragt wird, führt der Weg zur Berechnung nach VDI 2078. Welches Verfahren dann passt, hängt von Raumtyp und Anspruch ab und lässt sich mit dem Schnellcheck auf der Startseite einordnen.
Varianten der Faustformel
Die flächenbezogene Faustformel ist die bekannteste, aber nicht die einzige Form der überschlägigen Abschätzung. Je nach Raumtyp sind andere Bezugsgrößen sinnvoller.
Bei Räumen mit großer Höhe, etwa Hallen, führt die reine Fläche in die Irre. Hier ist ein volumenbezogener Ansatz näher an der Realität, weil das Luftvolumen mitwächst. Bei Räumen, deren Last stark von der Belegung abhängt, ist ein personenbezogener Zuschlag eine sinnvolle Ergänzung zum Flächenwert.
| Variante | Bezugsgröße | Geeignet für |
|---|---|---|
| Flächenbezogen | Watt je m² | normale Büro und Verkaufsräume |
| Volumenbezogen | Watt je m³ | Räume mit großer Höhe |
| Personenbezogen | Zuschlag je Person | Räume mit hoher Belegungsdichte |
Allen Varianten ist gemeinsam, dass sie eine Größenordnung liefern und keine Auslegung. Sie sind ein Einstieg, kein Abschluss. Der genaue Weg führt über die Formel und die Grundlagen.
Häufige Missverständnisse
Rund um die Faustformel halten sich einige Annahmen, die in der Praxis zu Fehlentscheidungen führen. Drei davon tauchen besonders oft auf.
Mehr Watt sind nicht mehr Sicherheit
Ein großzügiger Richtwert wirkt vorsichtig. Tatsächlich erzeugt er eine überdimensionierte Anlage, die schlechter regelt und mehr verbraucht. Sicherheit entsteht durch eine genaue Berechnung, nicht durch einen hohen Richtwert.
Ein zweites Missverständnis betrifft die Übertragbarkeit. Ein Richtwert, der für ein Büro in einer Region gut passt, kann für einen stark verglasten Raum an einem heißen Standort deutlich danebenliegen. Die Faustformel kennt weder Ausrichtung noch Klima.
Das dritte betrifft den Nachweis. Eine Faustformel ist keine prüffähige Unterlage. Wer sie einer Förderung oder einer Bauvorlage beilegt, wird damit selten durchkommen. Dafür ist die Berechnung nach VDI 2078 gedacht.
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Herausgeber · Kolophon
Burak Uzun
Burak Uzun verantwortet die Inhalte von Kühllast Berechnungen 24. Die Themenseiten werden anhand der VDI 2078 und der zugehörigen Regelwerke erstellt und regelmäßig überprüft.
Zuletzt geprüft am 9. Juni 2026
Methodik · Quellen
Über diese Inhalte, Quellen und Aktualisierung
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Methodik · Quellen
Über diese Inhalte, Quellen und Aktualisierung
Quellenbasis
- VDI 2078 Kühllastberechnung
Aktualisierung
Inhalte werden überprüft, wenn sich VDI 2078, GEG oder Normen ändern. Stand: 9. Juni 2026.
KI und Prüfung
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