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KB·24 Fachbeitrag Überschlägig

Kühllastberechnung mit der Faustformel

Die Faustformel liefert in wenigen Minuten eine grobe Hausnummer für die Kühllast. Diese Seite zeigt, wie der Richtwert angewendet wird, welche Größenordnungen üblich sind und wo die Methode endet.

Die Idee hinter der Faustformel

Die Faustformel arbeitet mit einem flächenbezogenen Richtwert. Man nimmt einen Erfahrungswert in Watt je Quadratmeter und multipliziert ihn mit der Raumfläche. Das Ergebnis ist eine erste Größenordnung der Kühllast.

Der Reiz liegt in der Geschwindigkeit. Ohne Bauteilkatalog, ohne Klimadaten, ohne Tagesgang entsteht in wenigen Minuten eine Zahl. Für ein Gespräch mit dem Anlagenbauer oder für die Plausibilitätsprüfung eines Angebots ist das oft ausreichend.

Der Preis dafür ist die Ungenauigkeit. Der Richtwert weiß nichts über die Ausrichtung der Fenster, über den Sonnenschutz oder über die Zahl der Personen. Er ist ein Mittelwert über viele Räume, nicht das Ergebnis für Ihren Raum.

Richtwerte je Raumtyp

Die folgenden Größenordnungen dienen der Orientierung. Sie ersetzen keine Berechnung nach VDI 2078, helfen aber, ein Ergebnis einzuordnen.

RaumtypRichtwert je m²Anmerkung
Büro normalrund 50 bis 90 Wabhängig von Verglasung und Belegung
Büro stark verglastrund 90 bis 140 WSüdwestlage ohne Außenschutz
Verkaufsraumrund 70 bis 130 WBeleuchtung treibt den Wert
Besprechungsraumrund 100 bis 160 Whohe Personendichte

Auffällig ist die große Spanne schon innerhalb eines Raumtyps. Genau diese Spanne zeigt, warum der Richtwert nur ein Einstieg ist. Für einen Serverraum versagt die flächenbezogene Faustformel ganz, weil dort die IT Leistung die Last bestimmt.

Eine überschlägige Rechnung

Ein Rechenbeispiel macht die Methode greifbar. Betrachtet wird ein Büro mit moderater Verglasung.

Praxisbeispiel

Büro mit 30 Quadratmetern

Für ein Büro von 30 Quadratmetern mit zwei Arbeitsplätzen und Ostfenstern wird ein Richtwert von 70 Watt je Quadratmeter angesetzt. Die überschlägige Kühllast beträgt damit rund 2100 Watt.

Dieser Wert genügt, um die Größenordnung eines Splitgeräts zu prüfen. Ob am Ende 2,0 oder 2,5 Kilowatt nötig sind, klärt erst eine genauere Berechnung. Die Faustformel sagt nur, dass es nicht 1,0 und nicht 5,0 Kilowatt sind.

Wie dieselbe Aufgabe mit dem normgerechten Rechenweg aussieht, zeigt das ausführliche Rechenbeispiel.

Wo die Faustformel endet

Die Faustformel ist ein Werkzeug für das Augenmaß. Sobald es um die Bestellung eines Geräts oder um einen Nachweis geht, reicht sie nicht mehr.

Keine Ausrichtung

Süd und Nordfenster werden gleich behandelt, obwohl sie sich stark unterscheiden.

Kein Sonnenschutz

Die Wirkung einer Verschattung bleibt unberücksichtigt.

Keine Speichermasse

Ob leicht oder massiv gebaut, spielt im Richtwert keine Rolle.

Keine Personenzahl

Ein leeres und ein volles Büro ergeben denselben Wert.

Ein häufiger Trugschluss

Ein hoher Richtwert wirkt sicher. Tatsächlich führt er oft zu einer überdimensionierten Anlage, die in Teillast schlecht regelt und mehr Strom verbraucht als nötig.

Faustformel in Excel

Die Faustformel lässt sich mühelos in einer Tabelle abbilden. Eine Spalte für die Fläche, eine für den Richtwert, eine für das Produkt, fertig. Genau das bieten viele kostenlose Vorlagen an.

Der Komfort darf nicht über die Aussagekraft hinwegtäuschen. Eine Excel Vorlage mit reiner Faustformel bleibt eine Faustformel. Erst eine Tabelle, die Bauteile, g Werte und innere Lasten abfragt, nähert sich einer echten Berechnung.

Wer im Browser rechnen will, findet auf der Seite zum Online Rechner eine Einordnung der verfügbaren Werkzeuge.

Wann der Richtwert genügt

Die Faustformel hat ihren festen Platz, solange man ihre Rolle kennt.

  • Erste Orientierung in einer frühen Planungsphase.
  • Plausibilitätsprüfung eines vorliegenden Angebots.
  • Schnelle Größenordnung für eine Besprechung.
  • Grobe Budgetabschätzung vor der eigentlichen Planung.

Sobald ein Gerät bestellt, ein Nachweis erbracht oder eine Förderung beantragt wird, führt der Weg zur Berechnung nach VDI 2078. Welches Verfahren dann passt, hängt von Raumtyp und Anspruch ab und lässt sich mit dem Schnellcheck auf der Startseite einordnen.

Varianten der Faustformel

Die flächenbezogene Faustformel ist die bekannteste, aber nicht die einzige Form der überschlägigen Abschätzung. Je nach Raumtyp sind andere Bezugsgrößen sinnvoller.

Bei Räumen mit großer Höhe, etwa Hallen, führt die reine Fläche in die Irre. Hier ist ein volumenbezogener Ansatz näher an der Realität, weil das Luftvolumen mitwächst. Bei Räumen, deren Last stark von der Belegung abhängt, ist ein personenbezogener Zuschlag eine sinnvolle Ergänzung zum Flächenwert.

VarianteBezugsgrößeGeeignet für
FlächenbezogenWatt je m²normale Büro und Verkaufsräume
VolumenbezogenWatt je m³Räume mit großer Höhe
PersonenbezogenZuschlag je PersonRäume mit hoher Belegungsdichte

Allen Varianten ist gemeinsam, dass sie eine Größenordnung liefern und keine Auslegung. Sie sind ein Einstieg, kein Abschluss. Der genaue Weg führt über die Formel und die Grundlagen.

Häufige Missverständnisse

Rund um die Faustformel halten sich einige Annahmen, die in der Praxis zu Fehlentscheidungen führen. Drei davon tauchen besonders oft auf.

Mehr Watt sind nicht mehr Sicherheit

Ein großzügiger Richtwert wirkt vorsichtig. Tatsächlich erzeugt er eine überdimensionierte Anlage, die schlechter regelt und mehr verbraucht. Sicherheit entsteht durch eine genaue Berechnung, nicht durch einen hohen Richtwert.

Ein zweites Missverständnis betrifft die Übertragbarkeit. Ein Richtwert, der für ein Büro in einer Region gut passt, kann für einen stark verglasten Raum an einem heißen Standort deutlich danebenliegen. Die Faustformel kennt weder Ausrichtung noch Klima.

Das dritte betrifft den Nachweis. Eine Faustformel ist keine prüffähige Unterlage. Wer sie einer Förderung oder einer Bauvorlage beilegt, wird damit selten durchkommen. Dafür ist die Berechnung nach VDI 2078 gedacht.

§ X · Empfehlung

Reicht die Faustformel für Ihr Projekt?

Schnellcheck zeigt, wann der Sprung zum Kurzverfahren angebracht ist.

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Herausgeber · Kolophon

Burak Uzun

Burak Uzun verantwortet die Inhalte von Kühllast Berechnungen 24. Die Themenseiten werden anhand der VDI 2078 und der zugehörigen Regelwerke erstellt und regelmäßig überprüft.

Zuletzt geprüft am 9. Juni 2026

Methodik · Quellen

Über diese Inhalte, Quellen und Aktualisierung

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Quellenbasis

  • VDI 2078 Kühllastberechnung

Aktualisierung

Inhalte werden überprüft, wenn sich VDI 2078, GEG oder Normen ändern. Stand: 9. Juni 2026.

KI und Prüfung

Recherche und Textentwurf durch KI-Werkzeuge unterstützt, jede Seite wird vor Veröffentlichung von Burak gegen die genannten Quellen geprüft.

Diese Seite ist redaktioneller Ratgeberinhalt, keine Rechtsberatung. Für verbindliche Auskünfte gelten TGA-Normen und Auslegungsrichtlinien sowie Aussagen Ihrer Sachverständigen.

Haeufige Fragen

Wie funktioniert die Faustformel für die Kühllast?
Man multipliziert die Raumfläche mit einem flächenbezogenen Richtwert in Watt je Quadratmeter und erhält eine grobe Größenordnung der Kühllast.
Welcher Richtwert gilt für ein Büro?
Für ein normales Büro liegen übliche Richtwerte bei rund 50 bis 90 Watt je Quadratmeter, bei stark verglasten Räumen auch deutlich darüber.
Ist die Faustformel für die Anlagenauslegung geeignet?
Nein. Für die Bestellung eines Geräts oder einen Nachweis ist eine Berechnung nach VDI 2078 erforderlich. Die Faustformel dient nur der Orientierung.
Warum ist ein hoher Richtwert nicht sicher?
Ein zu hoher Wert führt zu einer überdimensionierten Anlage, die in Teillast schlecht regelt und unnötig Strom verbraucht.
Funktioniert die Faustformel für Serverräume?
Nein. Bei Serverräumen bestimmt die elektrische Anschlussleistung der IT die Last, nicht die Fläche.
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